Biographie

Am 21. Mai des Jahres 1724 wurde, wie es das Taufbuch der Straßburger Kirchengemeinde St. Thomas vermerkt, Johann Daniel Hien geboren und getauft. Als Sohn eines Perückenmachers hatte er bereits in früher Kindheit Umgang und Kontakt zum Hof. Mit 13 oder 14 Jahre kam er zu Konrad Mannlich, der ebenfalls aus Straßburg stammte und zu diesem Zeitpunkt bereits am Hof in Zweibrücken weilte. Er machte eine mehrjährige Ausbildung. 1749 ist er für wenige Wochen in Mailand und lernte hier bei dem bekannten Landschafts- und Tiermaler Angelo Maria genannt Crivellone seine Themen auszubauen. Zurück in Zweibrücken schickte Herzog Christian IV. Daniel Hien auf Empfehlung von Konrad Mannlich für mehrere Jahre nach Paris, wo er bei J.B. Oudry seine Künste ausbaute. Seit 1756 ist er schließlich in Zweibrücken in herzoglichen Diensten, wo er am 12. März 1773 stirbt.
In der Forschung gilt Johann Daniel Hien als Landschafts- und Stilllebenmaler, der sich erst später in seiner Zweibrücker Zeit mit der Tiermalerei und Weidenszenendarstellung beschäftigt hatte Die Landschaftsbilder Hiens sind zugleich auch Weidebilder. Die Einflüsse Oudrys und der holländischen Landschaftsmalerei werden in der Forschung stets betont. Stetig werden in den Landschaften auf die Formationen der pfälzischen und Wasgaulandschaften verwiesen, die sich in einigen Fällen lokal identifizieren lassen, z.B. die Ruinen von Kloster Wörschweiler. Auch die Einflüsse der Malerkollegen vom Mannheimer Hof sind mitunter spürbar, sowie überhaupt gute Kontakte der „Pfälzer Maler“ untereinander bestanden.

 

Fuchs von Hunden gestellt

Inventar-Nr.: 1191

um 1765 entstanden

Öl auf Leinwand, 122 x 136 cm

 

 

Drei Dachshunde haben einen Fuchs gestellt. Diese Tiergruppe steht im Bildvordergrund und beherrscht die untere Bildhälfte. Der Fuchs, von links nach rechts stehend, hat die Vorderpfoten nach vorne gestemmt. Er wendet den Kopf, der in der vertikalen Bildachse platziert ist, nach rechts, wo er sich mit einem ebenfalls von links nach rechts stehenden Hund mit den Fängen verbissen hat. Es fließt Blut. Der zweite Hund steht von rechts nach links dem Fuchs gegenüber und beißt ihm in den Hals. Er versucht den Fuchs zu Boden zu ziehen. Der dritte Hund hat sich aufgestellt. Seine Vorderläufe liegen auf dem Rücken des Fuchses in den er beißt. Seine Positionierung im Bild entspricht der von rechts unten nach links oben verlaufenden Bilddiagonalen. Die Kampfszene spielt sich vor einem kräftigen Baum der sich mit seinem Stamm nach rechts neigt ab. Er hat stark belaubte knorrige Äste. Die linke Bildhälfte wird von einem dichten Wald geprägt. Nach rechts wird die Landschaft jetzt offener. Der Ausblick in die Landschaft ist bei diesem Bild Hien`s schon deutlich größer als bei seinen früheren Bilder. Die Bildkomposition ist ruhiger und geschlossener als bei der Entenjagd. Auch die Maltechnik beginnt feinfühliger zu werden. Das Bild ist wohl später als das Fuchsbild mit Beute entstanden.

 

Ruhendes Weidenvieh, 1765 entstanden

Inventar-Nr.: 1567

1765 entstanden

Öl auf Leinwand, 73 x 89 cm

 

 

Dem Spätwerk Hien`s gehören die vier hier ausgestellten Landschaften mit Viehherden an. Die beiden Bilder „Herde an der Tränke“(Inventar-Nr.: 1568) und „Ruhendes Weidenvieh“ (Inventar-Nr.: 1567) sind auf das Jahr 1765 datiert und markieren ein festes Datum für die Arbeiten Hien`s. Landschaften, Ruinen und Viehherden prägen diese Bilder, die jetzt seine künstlerische Reife belegen. Im Bildvordergrund liegen Schafe, Ziegen und Kühe auf einen sanft ansteigenden Hügel. In dieser Gruppe von Tieren, die sich über fast die gesamte Bildbreite erstrecke, ist eine helle Kuh in der Bildmitte zu sehen. Hinter ihr lagert ein rotbuntes Rind, hinter dem eine schwarze Kuh leicht schräg von rechts nach links im Bild steht und den Betrachter zu fixieren scheint. Zum rechten Bildrand steht ein Esel schräg und blickt ins Bildinnere. Am Bildrand steht hier ein Kreuz auf einem mehrstufigen Sockel. In der linken Bildhälfte sind die Ruinen eine Kirche erkennbar. Spätromanische und frühgotische Stilelemente sind deutlich. Die Ansicht vom inneren auf die Westfassade mit den Resten einer Rosette lässt vermuten, dass Hien den Ruinenzustand des benachbarten Klosters Wörschweiler zeigt. In der Bildmitte vor einem alten, nur wenige knorrige Äste mit Blättern aufweisenden Baum sitzt der Hirte, der mit seinem Hund spielt. In der Bildtiefe ist ferner ein Liebespaar zu erkennen. Zahlreiche Hügel mit Feldern und Wäldern führen den Blick des Betrachters über die gleichsam verfremdeten pfälzischen Landschaften zum Horizont.
Die Tiere in der Herde sind wie zu einem Gruppenporträt positioniert, an dem nicht unbedingt alle teilnehmen wollen, wie zu Beispiel der Esel. Der Hirte sitzt abseits, er soll nicht Teil dieses Gruppenporträts sein.

 

Heide an der Tränke

Inventar-Nr.: 1568

1765 entstanden

Öl auf Leinwand, 73 x 88 cm

 

 

Vom Bildvordergrund bis zum Bildzentrum ist ein Viehherde zu sehen, die aus Rindern und Ziegen besteht. Die Tiere stehen zum Teil im Wasser. In der linken Bildhälfte ist eine Seite einer Brücke, die über einen Bachlauf führt, erkennbar. Am zerstörten Brückenkopf ist eine Basis mit einer darauf stehenden aufragenden Säule erkennbar. Die rechte Bildhälfte gewährt einen Blick über eine weite hügelige Landschaft, wie sie der Maler in den weiten Höhen und Tälern des Westrichs und dem Bergen den Pfälzer Waldes erlebt hat. Es sind Höfe, Burgruinen und Dörfer sichtbar. Die Viehherde ist über die Brücke zum seichten Gewässer an die Tränke gekommen. Der Hirte mit seiner roten Jacke bildet den Abschluss der Gruppe. Er treibt die letzten Schafe zur Tränke. Ihm folgt sein Hund. Links vor ihm geht der beladene Packesel, während die ersten Tiere bereits das Gewässer erreicht haben. Einige Tiere stehen im Wasser, andere sind schon beim Saufen.
Im rechten Bildvordergrund steht der knorrige Stamm einer toten alten Weide, aus dem junge Triebe ausschlagen. Daneben ist die Gruppe mit Kühen zu sehen, wobei ein großes weißes Rind, das mit den Hinterbeinen noch auf dem Weg steht und mit den Vorderbeinen im Wasser, das Zentrum der Bildkomposition aus vier Kühen bestimmt. Sie blickt aus dem Bild heraus auf den Betrachter.

 

Fuchs mit Beute

Inventar-Nr.: 5608

um 1760 entstanden

Öl auf Leinwand, 99 x 114 cm

 

 

Am Gewässerrand vor dem aufsteigenden Ufer steht von links nach rechts ein Fuchs. Er hat eine Stockente erbeutet, er hält ihren rechten Flügel im Fang. Der Erpel wendet den Kopf zurück, um den Fuchs zu attackieren. Den linken Bildvordergrund bestimmt eine Kräuterpflanze, dahinter ist der Uferbewuchs mit Schilf, der bis zum oberen Bildrand reicht sichtbar. Die vertikale Mittelachse des Bildes beherrscht der Stamm eines alten Weidenbaumes, von dem einige junge Äste mit Blättern erkennbar sind. Unter diesen Blättern ist eine aufgeschreckte und flüchtende zweite Stockente zu sehen, die in den Bildtiefengrund wegfliegt. Der rechte Bildrand lässt ein Ausblick in die Landschaft frei. Auf dem anderen Ufer des Gewässers sind schemenhaft Architekturen angedeutet.

 

Toter weißer Hase

Inventar-Nr.: 5621

um 1765 entstanden

Öl auf Leinwand, 160 x 100 cm

 

 

Ein bei der Jagd erlegter Hase wurde von Jäger mit seinem linken Hinterlauf an einem dünnen abgestorbenen Ast eines toten Baumes aufgespießt. Der Kopf und die Vorderläufe liegen auf dem Boden auf. Der Hase dominiert die vertikale Mittelachse des Bildes, die von dem knorrigen Baum mit seinen abgestorbenen Ästen bis zum oberen Bildrand, aber aus der Mittelachse versetzt, weitergeführt wird. Gleichzeitig wird durch die Position der Vorderläufe und Löffel eine Horizontalachse gebildet, die in der Stellung des rechten Hinterlaufes eine Parallele hat. Am linken Bildrand ist ein alter Baumstamm erkennbar. Zwischen ihm und dem knorrigen Stamm mit dem Hasen ist im Bildmittelgrund ein alter Baumbestand dargestellt. Auf der rechten Bildseite ist der Blick in eine weite leicht hügelige Landschaft freigegeben. Der Hase ist überlebensgroß und erscheint mit seiner weißen Bauchdecke wie lichtüberflutet, bevor in malerisch leichtem jonglieren die Farbe in eine grau-bräunliche Schattierung übergeht.

 

Landschaft in Abendstimmung mit Tieren

Inventar-Nr.: 5998

1765 entstanden

Öl auf Leinwand, 93 x 137 cm

 

 

Das Bild gibt eine weite, hügelige und mit Tälern durchzogene Landschaft wieder, in deren Vordergrund eine Viehherde beim Grasen ist. Rinder, Ziegen und Schafe stehen ruhig umeinander. Abendstimmung ist zu verspüren. Am rechten Bildrand steht ein alter knorriger Baum, der seine Äste zum Großteil schon verloren hat. Junge Zweige sprießen aus dem Stamm heraus. Der Stamm ist s-förmig geschwungen. Das Plateau, auf dem er steht, hat noch weitere einzelne Bäume. Es bildet auch den Uferhügel eines Flusstales. Am Fluss erkennt der Betrachter eine Brücke, die in eine entfernte Hügellandschaft führt. Auf deren höchster Erhebung sind die Ruinen einer großen mächtigen Burganlage zu erkennen, die von dieser exponierten Lage aus das Tal beherrschte. Am linken Bildrand, auf dem Nachbarhügel zu der Weide, ist eine lockere Baumgruppe zu sehen. Ein Mann mit dem Rücken zum Betrachter, wohl der Hirte, steht von links nach rechts und blickt in die Ferne. Wiederum ist eine idyllische Landschaft gemalt, in der sich belebende und beschreibendeVersatzstücke einfinden.

 

Jagdstillleben mit Rebhühnern und Eidechse

Inventar-Nr.: 6037

um 1760 entstanden

Öl auf Leinwand, 52 x 63 cm

 

 

Das Stillleben zählt zu den Frühwerken Hien`s. Im Bildzentrum steht ein mit den Flügeln schlagender Hahn. Unter seinem linken Flügel im Bildvordergrund rechts unten ist eine Eidechse zwischen Blumen und Blättern erkennbar. Am rechten Bildrand reicht eine grüne Kräuterpflanze mit weißen Blüten bis zur Bildmitte. Nach oben wird der Blick zum Horizont freigegeben. Am linken Bildrand wachsen Getreidehalme bis zum oberen Bildrand. Dazwischen sind ein paar rote Mohnblumen erkennbar. Der Hahn steht vor einer großen grünen Distel mit rotbraunen Blüten. Sie bildet den rahmenden Hintergrund für den Hahn unter dessen rechten Flügel eine Henne Deckung zu suchen scheint. Hühner und Distel sind detailreich und realistisch dargestellt. Die Pflanzen sind Rahmen und Staffage für die Darstellung der Rebhühner, die das alleinige Bildthema markieren. Es fehlt im Gegensatz zu späteren Werken Hien`s ein Ausblick in die Landschaft. Insgesamt wirkt die Komposition statischer.

Viehstück, um 1770 entstanden

Inventar-Nr.: 6107

um 1770 entstanden

Öl auf Leinwand, 80 x 102 cm

 

 

Im Bildvordergrund lagert eine Viehherde aus Rinder, Schafen und Ziegen. Die meisten von ihnen blicken den Betrachter direkt an. Hinter der Gruppe am linken Bildrand steht eine Kuh schräg von links nach rechts und blickt ins Bild zum Bildrand. Die Rückenlinie des Tieres erreicht die horizontale Mitte des Bildes. Zum rechten Bildrand hin steht ein Schafsbock von links nach rechts und blickt den Betrachter an. Hinter dem Schafsbock, auf einer leichten Geländeterrasse sitzt der auf den linken Ellenbogen gestützte und mit einem blauen Gewand und Hut bekleidetet Hirte mit seinem Hirtenstab in der rechten Hand. Er wendet dem Betrachter den Rücken zu. Vom rechten Bildvordergrund kommt ein Weg und führt an einer Baumgruppe vorbei, die den Weg säumt. Im Bildvordergrund ist dabei eine s-förmig geschwungener alter knorriger Stamm sichtbar. In der linken oberen Bildhälfte auf einem Hügel ist die Ruine einer mittelalterlichen Burg sichtbar. In der Bildmitte ist ein Blick in die weite Landschaft gegeben, die von Hügeln und Wäldern bestimmt wird. Gegenüber den älteren Werken sind die Darstellungen malerischer geworden. Sie sind nach wie vor realistisch, zeigen aber eine lockerere Pinselführung und einen teilweise deutlich plastischeren Farbauftrag. Bei dem Bild handelt es sich tatsächlich um die Aufstellung zu einem Gruppenporträt. Die Tiere werden im Bild zurecht gerückt. Ein Tier schert aus (links). Der Hirte gehört nicht zum Gruppenporträt und dreht dem Geschehen den Rücken zu. Das Porträthafte wird unterstützt durch den im Bildvordergrund bewusst platzierten Wildrosenstrauch. Anders als bei Meyer stehen die Tierherden bei Hien stärker im Vordergrund des Bildthemas. Die Menschen nehmen eigentlich nicht am Geschehen teil.